Der Taufstein in unserer Kirche ist von 1901, dem Erbauungsjahr unserer Kirche.
Am 3. August 1899 bereits schreibt Architekt Hugo Groothoff diesbezüglich an Pastor Fries:
„Sehr geehrter Herr Pastor!
Ihr Fräulein Schwester sagte mir in Schenefeld, dass Sie am Montag verreisen wollen. Haben Sie die Güte, mir hierher oder ans Bureau mittheilen zu wollen, wohin ich das Kirchenproject für Reinbeck schicken soll, welches in den nächsten Tagen fertig wird. [...] Für den angefragten Taufstein haben Sie schon das Gewünschte auf meinem Bureau erhalten. Wenn Sie nachher die Summe fest haben, will ich Ihnen gern einen schönen Taufstein zeichnen; das, was man fertig findet, passt meist nicht in die projectirte Kirche und ich möchte es gern zusammenstimmend und nett haben.“
Am 4. November 1899 schreibt Groothoff erneut:
„Sehr geehrter Herr Pastor!
In dem anliegenden Blatte erlaube ich mir, Ihnen die genaue Zeichnung für den beabsichtigten Taufstein der Kirche in Reinbek ganz ergebenst zu übersenden. Die mir von Ihnen an meiner Scizze gemachten Ausstellungen habe ich leider nicht berücksichtigen können, da nach meiner künstlerischen Überzeugung die Zeichnung den Taufstein so darstellt, wie er sein muß u. ich würde Sie dringend bitten, nichts daran zu ändern, da die Wirkung sonst eine ganz andere u. weniger vortheilhafte wird.“
Höflich scheint der Architekt dem Pastor hier zu verstehen zu geben, er möge seine gestalterischen Ambitionen zügeln?
Betrachtet man das „anliegende Blatt“, fällt auf, dass das noch nicht der finale Entwurf gewesen sein kann. So wurde etwa die Inschrift „Freuet euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind“ nicht umgesetzt. Auch die ornamentalen Elemente (etwa das umlaufende Rautenflechtband) sahen letztlich anders aus als hier „projectirt“.
Die Korrespondenz über die weitere gestalterische Fortentwicklung ist allerdings nicht erhalten.
„Die Kosten werden sich in blanc clair Marmor, einem ganz weißen, carrarischen tadellosen Marmor auf 100 M stellen. [...] Da ich nicht weiß, wie das eigentliche Taufbecken gedacht ist, ob Kupfer versilbert oder Silber vergoldet oder in Aluminiumbronze, ob glatt oder verziert, so habe ich dies in dem obigen Preise nicht mit verrechnet [...] Es kostet, um Ihnen einen Anhalt zu geben, eine kupferne, versilberte Taufschale von 36 cm Durchmesser bei Dr. Ernst, Berlin, M TF. I 1: 62,50 M, M TF I 2: 145 M.
Sollte gewünscht werden, den Taufstein in Pavonazzo Marmor, einem weißen Marmor mit hellen gelben Flecken mit schwarzen rothen Adern auszuführen, so würde sich der Preis um etwa 400 M höher stellen.“
Ob es nun wirklich Pavonazzo-Marmor ist? Der „ganz weiße, tadellose Marmor“ jedenfalls nicht. Er weist eine deutliche Aderung auf. Unser Taufstein ist im Übrigen einer von nur zehn in Nordelbien aus echtem Marmor.
Die silberne Taufschale, die – ebenso wie der Krug – auch heute noch im Einsatz ist, stiftete an Weihnachten 1900 die Hamburgerin Fräulein Marianne Busse.
Über Jahrzehnte stand der Taufstein mittig im Altarvorraum in einer Achse mit dem Mittelgang. 1969 wurde er im Zuge der Neukonzeption insbesondere des liturgischen Raums nach rechts an die Stelle versetzt, an der er heute noch steht.