Gemeindebrief

Die Gemeindebriefausgabe für November 2026 finden Sie hier.

Geistliches Wort des Monats November:

Der HERR wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg.                                                                                      Jesaja 2,4

Der Gesamtkonvent der Pastor:innen hatte im September den Militärdekan Dirck Ackermann eingeladen. Er hatte an der neuen Friedensdenkschrift der EKD mitgearbeitet. Gespannt lauschten wir seinen Ausführungen. Dass es für den Erhalt des Friedens eigentlich nur drei Möglichkeiten gäbe: durch internationales Recht, durch weltweiten Handel oder eben durch glaubhafte Abschreckung. Alle drei Strategien des Friedens seien gegenwärtig in der Krise, führte er aus. Da der Glaube an Gott uns auffordert, die Welt realistisch und ungeschönt wahrzunehmen, hat die EKD in der neuen Denkschrift nun nach Jahrzehnten einen Paradigmenwechsel vollzogen. Der Schutz vor Gewalt muss ernstgenommen werden. Zur Not eben auch, als letztes Mittel, mit Waffen.

Dass hier ein großes Dilemma besteht, mehr offene Fragen als klare Hinweise, machte der Dekan deutlich. Um schließlich ganz persönlich zu bekennen, dass er sich eigentlich einen recht kindlichen Glauben bewahrt habe. Gott sitzt im Regimente. Er vertraut ihm. So, wie es schon die letzten Worte des Theologen Karl Barths kurz vor seinem Tod 1968 ausgedrückt haben: „Nicht den Kopf hängen lassen. Immer dran denken: es wird regiert.“ Das Bild von den Schwertern zu Pflugscharen ist das Leitmotiv des kirchlichen Pazifismus schlechthin. 1959 schenkte die Sowjetunion den Vereinten Nationen in New York die bekannte Skulptur eines russischen Künstlers. Ein muskulöser Schmied im Stil des sozialistischen Realismus schmiedet ein Schwert zu einer Pflugschar. Es war Propaganda. Ein Zeichen für Abrüstung, während zur selben Zeit massiv aufgerüstet wurde. Augenwischerei.

Vor allem aber verkannte das Bildnis eines: Es ist nicht die Kraft des Menschen, der willentlich nun Frieden schaffen kann. Der Prophet Jesaja sagt es ganz klar: Es ist der HERR, es ist Gott, der die Völker zurechtweist und Recht schafft. Erst dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Es ist eine Verheißung, die sich erfüllt, wenn Gott kommt.

Bis dahin bleibt uns vor allem, uns dies kindliche Vertrauen zu bewahren. Nicht in Naivität oder Angst verfallen, nicht die Dinge verkennen. Sondern gerade weil wir Gott vertrauen, realistisch bleiben. In dem, was wir hoffen. Und in dem, wie wir handeln. Auf dass uns Gott zu Werkzeugen für den Frieden macht. Und wir gemeinsam Schwerter zu Pflugscharen schmieden.

Einen November voll kindlichem Gottvertrauen wünscht Ihnen

Pastor Ralf Meyer-Hansen