Die Gemeindebriefausgabe für September 2026 finden Sie hier.
Geistliches Wort des Monats September:
Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind. Prediger 4,6
„Wovor hast du am meisten Angst? frage ich – Zu versagen, sagt Katrin, zieht ihre Antwort aber kurz darauf wieder zurück. Nichts wert zu sein, sagt sie dann, aber revidiert die Aussage ebenfalls sofort wieder. Sie hält inne und denkt ein paar Sekunden nach. Zu verhallen, sagt sie dann. Zu verschwinden. Dass ich etwas Großartiges von mir gebe, aber niemand bekommt es mit.“ So beschreibt Elias Hirschl in seinem Roman Content eine beispielhafte Szene. Ganz beiläufig und fast banal werden im Buch gravierende Ereignisse geschildert: Naturkatastrophen, Untergänge, Beischlaf und Tod – aber alles ist völlig bedeutungs-los. Alles ist eitel und ein Haschen nach Wind, würde der Prediger sagen.
Wer sich gerade in einer existentiellen Stimmung befindet und mit den vorgefertigten Antworten nicht mehr zur Ruhe kommt, für den ist das Buch Prediger zu empfehlen. Dort kann man in diesem Gefühl leben, alles in seiner Nichtigkeit und Vergänglichkeit zu erkennen. Es ist erstaunlich, dass das Buch überhaupt in der Bibel steht. Denn „Gott“ kommt darin kaum vor. Wenngleich er im Hintergrund doch mitläuft…
Der Prediger kennt die Vergeblichkeit des Mühens. Und doch ist er dabei ganz getröstet. Er empfiehlt Maß nehmen. Die gute Mitte finden. Zwischen Arbeitseifer und Müßig-gang. Eine Hand voll Ruhe, die andere arbeitet. Geschickt, flink, wendig, nicht zur Faust verkrampft. Ein merkwürdiges Bild.
Und eine gute Korrektur zu unserem Alltag. Autofahrer sind heute durchschnittlich aggressiver als vor zehn Jahren, so das Ergebnis eine Langzeitstudie. Eine Erklärung: Termindruck und Arbeitsverdichtung haben zugenommen. Beim Autofahren ist es vielleicht noch am deutlichsten, was am Ende zählt: heil ankommen. Mäßigung kann da lebensrettend sein. Aber wohl nicht nur da.
Katrin hat die Sehnsucht nach etwas Bedeutungsvollen im Leben. Im Nichts zu verhallen, ist ihre größte Angst. Der Prediger der Bibel teilt ein Stück weit die Analyse der Vergeblichkeit. Allein bleibt Gott der, der alles umfasst. Doch dabei bleibt es nicht. So gut es ist, Maß und Mitte zu finden, so wahr ist auch das Wort Jesu: „Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind“ (Lk 10,20). Wir verhallen nicht. Wir werden bei Gott sein, der uns bei unserem Namen gerufen hat.
Einen wenig hektischen September wünscht Ihnen
Pastor Ralf Meyer-Hansen