Die Gemeindebriefausgabe für Mai 2026 finden Sie hier.

Geistliches Wort des Monats Mai:

Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele.                                                                                   Hebräer 6,9                                       


 „Wir haben auch optisch etwas für die Gender-Gerechtigkeit getan, hier hängt jetzt auch eine Frau“, sagte der Mann aus dem Schweriner Kirchenamt. Wir saßen an einem großen Tisch in einem mit dunklem Holz halb hoch vertäfelten Raum. Darüber Bilder berühmter Kirchenmänner. Aus Mecklenburg, nehme ich an, bekannt war mir keiner. Ihnen gegenüber, nun offenbar neu, das Gemälde einer Frau, augenscheinlich aus demselben vergangenen Jahrhundert wie ihre männlichen Pendants. Was genau ihre Leistung war, wurde nicht richtig klar. Aber sie trage auch einen Orden! – Ja, ein Orden war zu sehen; die Männer auf den Gemälden trugen teilweise Uniformen mit zig Orden. Warum, wussten wir aber bei ihnen auch nicht. Wenigstens in unserer Unkenntnis herrschte Gleichheit. Nun ja. Innerlich hoben wohl etliche die Augenbrauen. Gender-Gerechtigkeit, aha. Aber immerhin, es ändert sich etwas. Stück für Stück. Grund zur Hoffnung.

Ja, es ändert sich etwas. Tempora mutantur, nos et mutamur in illis, wussten schon die Römer: Die Zeiten ändern sich und wir ändern uns in ihnen. Manchen geht es nicht schnell genug. Für manche schlägt das Pendel zu weit aus. Und die gesellschaftlichen Mechanismen, die die radikalen Entwürfe und den rückwärtsgewandten Backlash einfangen und vernünftig moderieren, greifen zumindest gefühlt immer weniger. Wohl ein Grund dafür, das Getöse der Veränderungen mitunter nur noch schwer aushalten zu können. Wir brauchen schon einen langen Atem. Und Gründe zur Hoffnung.

Die Hoffnung, die ein sicherer und fester Anker unsrer Seele ist, steht nicht im luftleeren Raum, verdankt sich keinem Wunschdenken und auch keinem „Manifestieren“, wie man heute sagt. Sondern den Gründen, die wir im Glauben finden. Ein wesentlicher Grund ist der lange Weg, den Gott bereits mit seinem Volk, mit seiner Kirche, mit unseren Vorvätern und -müttern und mit uns gegangen ist. Man muss nicht, wie der Hebräerbrief, bei Abraham anfangen. Aber die Zusage seiner Liebe, die er uns in Jesus Christus gezeigt hat, die haben Generationen vor uns erfahren, ließen sie dunkelste Zeiten aushalten und positiv bleiben. Und wie viel hat sich über diesen langen Weg nicht schon zum Guten gewandelt?

„Ich komme einen weiten Weg“, sangen die Roving Bottles; ist lange her. Ein Lied über die Emanzipation, die Freiheit, die sich Frauen erkämpfen mussten. Ja, der Weg war weit und geht auch noch weiter. Doch es ändert sich etwas. Stück für Stück. Leise, nicht laut. Für alle zum Guten. So wirkt Gottes Geist unter uns. Darauf zu hoffen, tut gut.

 Einen blütenreichen Mai wünscht Ihnen

 Ihr Pastor Ralf Meyer-Hansen