Nachdem die Maria-Magdalenen-Kirche 1901 eingeweiht worden war, wurde zunächst eine kleine Orgel aus der Reinbeker Schlosskapelle durch die "Orgelbau-Anstalt von Paul Rother" für 234 RM in die Kirche umgestellt. Die neue Kirche sollte erst gut austrocknen, bevor eine neue Orgel angeschafft würde.
Im Sommer 1914 wurde dann die erste richtige Orgel aufgestellt. Es war ein Werk mit 19 Registern der Firma Marcussen & Sohn in Apenrade. Die Orgel wurde am 23. 11. 1914 durch den Sachverständigen Alfred Sittard geprüft und für sehr gelungen befunden. Besonders gewürdigt wurde der geschnitzte Orgelprospekt (die Vorderseite). Dieser Prospekt existierte bis 1969. Die Orgel hatte, wie damals üblich, eine pneumatische Traktur, d. h. die Verbindung von der Taste zur Pfeife funktionierte mit Winddruck. Die Disposition war sehr romantisch, mit vielen 8' Registern. Orgeln mit solch einer Disposition gibt es heute leider nur noch sehr wenige, sie wurden spätestens nach dem Krieg als unzeitgemäß abgerissen. Heute erkennt man auch diesen Orgeltypen ihren historischen Wert zu. Würde die alte Marcussen-Orgel also noch stehen, hätten wir eine historische Denkmalsorgel in unserer Kirche.
Im Jahre 1948 wurde das Werk durch die Fa. Ott umgebaut und dem Zeitgeschmack entsprechend mit einigen barockisierenden Registern versehen. Insgesamt hatte sie dann 25 Register. Dieser Umbau muss wohl als nicht sehr gelungen bezeichnet werden, da in der Folgezeit immer wieder von Störungen und Schäden berichtet wird. Schon 1958 wurde wieder eine gründliche Überholung geplant, Kosten: 1.251 DM. Einige Register müssen schon damals schadhaft gewesen sein, da ihr Austausch vorgeschlagen wurde.
1966 erstellte der Sachverständige KMD Alfred Dreesel ein ziemlich vernichtendes Gutachten über die Orgel. Das gesamte pneumatische System war kaputt und funktionierte nur noch teilweise. Die 1948 gemachten Änderungen der Disposition wurden als sehr fragwürdig beurteilt, die Registerzusammenstellung war auch aus heutiger Sicht wohl recht merkwürdig. Eine Reparatur wurde für nicht sinnvoll erachtet, stattdessen wurde ein Neubau mit 25 Registern für ca. 100.000 DM vorgeschlagen.
Die Neubauidee wurde zunächst nicht weiterverfolgt, sondern die Orgel durch allerlei Reparaturen am Leben gehalten. Im Zuge der Kirchenrenovierung 1970/71 wurde die Orgel dann endgültig abgerissen. Pfeifen von ihr lagen noch längere Zeit in der Taufkapelle herum. In der Folgezeit gab es lange Diskussionen über das Für und Wider einer neuen Orgel. 60.000 DM waren hierfür vorhanden, man überlegte jedoch eine Zeit lang, das Geld für Projekte in der Dritten Welt zu verwenden und sich in der Kirche mit einem kleinen Positiv zu begnügen.
Schließlich beschloss man aber doch, mit diesen Mitteln eine neue Orgel anzuschaffen. So wurde die Stuttgarter Firma Weigle mit dem Neubau beauftragt. Die Orgel wurde am 3. Advent 1971 eingeweiht. Aufgrund der Dritte-Welt-Problematik war man damals nicht bereit, die Mittel aufzustocken, so fiel die Orgel sehr bescheiden und klein aus, denn schon damals war für diesen Betrag im Orgelbau nicht viel zu erwarten. Alle teureren Register, die den Orgelklang aber erst interessant werden lassen, wurden schon bei der Planung weggestrichen.
Dass es aber auch anders ging, bewies der Beschluss nur wenige Jahre später, in der neuen Nathan-Söderblom-Kirche in Reinbek-West eine ganz hervorragende Orgel für 240.000 DM bauen zu lassen.
Die Maria-Magdalenen-Orgel tat dann für 21 Jahr brav ihren Dienst, jedoch wurde schon nach wenigen Jahren klar, dass die Orgel doch zu sparsam ausgefallen war. So wurden bereits seit Ende der 1970er-Jahre ein oder zwei neue Register geplant. Aber erst 1990 wurde nach einem sehr negativen Gutachten der Grundsatzbeschluß gefasst, die Orgel zu erweitern.
Zunächst wurde die Hinzufügung von 4 Registern geplant: im Hauptwerk Trompete 8' und Flöte 4', im Pedal Fagott 16' und Trompete 8'. Die Arbeiten sollten im Zusammenhang mit der anstehenden Grundüberholung der Orgel ausgeführt werden. Der Kostenanteil der Gemeinde war auf 26.400 DM begrenzt. So wurde ein Orgelausschuss mit dem Ziel gebildet, den Rest der Kosten über Spenden zu finanzieren. Dann wurde beschlossen, noch weitere zwei Register einzubauen, im Hauptwerk Bordun 16' und im Schwellwerk Salicional 8'. Ferner sollte das Rankett 16', welches ursprünglich wegfallen sollte, ins Schwellwerk umgesetzt werden.
Zusammen mit einigen anderen Arbeiten ist so ein Gesamtbetrag von 155.750,25 DM ausgegeben worden. Dafür steht in unserer Kirche seither eine Orgel mit 25 (23 klingenden) Registern – also die Größe, die schon in dem Gutachten von 1966 als für unseren Kirchenraum notwendig gehalten wurde.
Quelle: Festschrift zur Wiedereinweihung der Weigle / Sebastian-Orgel, April 1993. Verfasser: Jörg Müller