Kirchenfenster - die Originale

Betritt man heute unsere Kirche, fallen sofort die bunten Fenster ins Auge, die sich lebhaft gegen die weißen Wände abheben und Bibelszenen darstellen.

Diese jetzigen Kirchenfenster wurden in den Karlsruher Glaskunstwerkstätten von Herrn Ernst Scharf nach Entwürfen von Prof. Klaus Arnold hergestellt.

Aber das geschah erst im Jahr 1969.

Blicken wir einmal ins Baujahr 1901 zurück:

Bei den ursprünglichen Fenstern ist zwischen den Chorfenstern und der übrigen Verglasung zu unterscheiden.

Letztere wurde, ohne genauere künstlerische Vorgaben, vom Glaser H. Engelbrecht ausgeführt. Die Chorfenster jedoch sollten künstlerisch gestaltet werden.

Am 6. September 1900 schrieb der Architekt H. Groothoff wegen der Fenster an Pastor Fries:

"Sehr geehrter Herr Pastor!
Wegen der Fenster habe ich mit Bouché verhandelt.
Er sendet eine vorläufige flüchtige Scizze für die Chorfenster, welche ich Herrn Hansen mitgebe. Sagen Sie ihm, ob dies Ihren Intensionen entspricht, dann lasse ich weiterarbeiten. Bei dieser Stellung des Christus läßt sich das Altarkreuz auch etwas erhöhen, was sonst leicht gedrückt geworden wäre. .. Wenn die Fenster in jeder Richtung, bes. in künstlerischer Hinsicht die fabrigmäßig hergestellten Kirchenfenster übertreffen sollen, müssen dieselben zwischen 920 + 950 M kosten. Können Sie mir mitteilen, dass wir dies dafür ausgeben dürfen, so werde ich von Bouché sicher etwas Schönes bekommen.
Mit freundl. Gruß Ihr ergebener
H. Groothoff."

Fünf Tage später schrieb Carl de Bouché selbst:

"Hochverehrter Herr Pastor!
Infolge Mittheilung u Anfrage Herrn Arch Groothoff, welchem ich eine ganz flüchtige Skizze einsandte, um eine Anordnung festzustellen, erlaube ich mir auch an Herrn Pastor einige Zeilen zu richten. Da ich etwas Theures und Gutes machen möchte, würde ich wenn M 1.000 nicht gelegt werden können, auch event. für M. 850 die Arbeit übernehmen u. würde bitten, zur Anfertigung der richtigen Skizzen mir nur Wünsche bekannt geben zu sollen. [...]"

Bouché erhielt den Auftrag für die Chorfenster.

Am 24. Januar ist im Baubuch vermerkt:

Erhalte von Herrn Groothoff Karte der Firma Bouché München, daß die Glasfenster am Montag d. 21. Jan. von München abgegangen sind.

Benachrichtigen sofort H. Engelbrecht telefonisch, der mir mitteilt, daß die Verglasung erst nach der Werkstelle des H. Brummer transportiert werden sollen, zwecks späterer Einsetzung.

Zwischenzeitlich erhielten die Fenster eine Notverglasung, wohl, damit die künstlerisch wertvollen Fenster nicht etwa durch Bauarbeiten beschädigt würden.

Unter dem 10. Juni 1901 findet sich dann der Eintrag:

Herr Engelbrecht beginnt mit dem Einsetzen der Chorfenster.

Die Fenster wurden tatsächlich etwas "Theures und Gutes": Die Rechnung belief sich auf 1000 Mark.
Davon gingen 885,73 Mark als Spenden ein.

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