Feste feiern, wie sie fallen

125 Jahre! Nicht zu vergleichen mit der großen 100-Jahr-Feier zu Beginn der 2000er-Jahre – und doch: Seit 1926 feiert unsere Gemeinde alle 25 Jahre ihr Bestehen. Kein Grund, nach dem Hundertjährigen damit aufzuhören!

Unsere Kirche steht nach wie vor stolz da. Ein weithin sichtbares Denkmal, das "mit seinem Thurm nach oben weist, wie mit einem ausgereckten Finger" – wie es unser erster Pastor Andreas Fries 1900 zur Grundsteinlegung so treffend formulierte.

1901, zur Kirchweih, war die Kirche nach einem Bericht der Bergedorfer Zeitung beflaggt. Der Gedanke gefiel uns so gut, dass die historischen Fahnenstöcke hoch oben im Turm aus den schmalen Fenstern über der Uhr geschoben und mit zum Teil neu genähte Fahnen bestückt wurden.

Am 22. und 23. August war es böig, die Fahnen flatterten im Wind – wenn das nicht für Sichtbarkeit sorgte! Sichtbar war auch die Bühne auf der Wiese, denn zur Jubiläumsfeier gehörte ein Gemeindefest am Samstag mit viel Programm.

(Fast) alles, was unsere Gemeinde mit "Chor" im Namen zu bieten hat – Posaunenchor, Kinderchor, Jugendchor, Junger Chor. Die Jugendtheatergruppe brachte die Entstehungsgeschichte der Kirche auf die Bühne. Eine Improvisationstheatergruppe sorgte für lautstarke Stimmung und zum Ausklang spielte die Latin-Jazzband Babanda.

Da es nicht nur windig, sondern auch der eine oder andere Schauer durchzog, musste für die Bühne am Morgen auf die Schnelle noch eine Überdachung improvisiert werden. Es bewährt sich immer wieder, dass unsere Gemeinde auch die Heimat eines Pfadfinderstamms ist: Allzeit bereit!

Trotz Unbeständigkeit feierten wir draußen, denn es sollte ja die Kirche als unsere Jubilarin im Mittelpunkt stehen.

Gelegentliche Regenschauer trieben viele Besucher in die Kirche, in der es historische Antependien, silbernes Altargerät und die historische Taufschale zu bewundern und alles über den Wandel des Kirchraums in den letzten Jahrzehnten zu erfahren gab. Wer die steile Stiege nicht scheute, konnte hinauf in den Turm steigen und das historische Uhrwerk der Turmuhr von ganz Nahem betrachten.

Am Sonntag füllte sich die Kirche zum Dankgottesdienst für 125 Jahre Kirche in Reinbek-Mitte. Mit Gott. In der voll besetzten Kirche klang das Gotteslob besonders kraftvoll. Die Orgel begrüßte mit dem Präludium in Es-Dur von J.S. Bach. Die Kantorei sang von der Empore unter anderem die Messe brève Nr. 7 in C von Charles Gounod und auch vier Strophen von "Großer Gott, wir loben dich" mit Oberchor singen wir nicht alle Tage!

Der anschließende Empfang fand, anders als geplant, im Gemeindesaal statt. Zu durchweicht war der Boden um die Kirche.

Der festlichen Stimmung tat das keinen Abbruch, im Gegenteil. Mit Sekt oder alkoholfreiem Cocktail erhob die zahlreich von der Kirche in den Saal mitgewanderte Festgemeinde das Glas.

Es sprachen der Bürgermeister, Vertreter:innen der Nachbargemeinden, der Schulleiter der Sachsenwaldschule ... und zu unserer besonderen Freude war auch der Armin Levy, Vorsitzender der Jüdischen Union aus Hamburg, zugegen und gratulierte und sprach uns auf Hebräisch den Aaronitischen Segen zu:

jיְהוהָ וְיִשְׁמְרֶ j יְברֶָכְ

ויִחנֻּךֶָּ j יָארֵ יהְ וָה פּנָיָו אלֵיֶ

שָׁלוֹם j וְישֵָׂם לְ j יִשָּׂא יְהוהָ פָּניָו אֵליֶ

Ein Moment echter Interreligiosität, der uns sehr bewegt hat.

Gestärkt mit Schnittchen und Geburtstagstorte – alles selbst am Morgen noch zubereitet – ging die Gesellschaft auseinander. Hoffentlich mit dem Gefühl, dass diese Kirche und ihre Gemeinde in all ihrer Beständigkeit lebendig war und weiter ist. Eine Gemeinde, die miteinander feiert und füreinander da ist.