Eine Mauer zur Rechten und zur Linken

Das dritte Fenster im Kirchenschiff rechter Hand, wenn man in Richtung Altar blickt, zeigt eine Schlüsselszene der Rettung der Israeliten aus der Sklaverei des Pharaos – die Teilung des Schilfmeeres.

Kirchenfenster - Durchzug durch das Meer

Beschrieben ist der Exodus in 2. Mose 14, wo es heißt:

Und die Ägypter jagten ihnen nach, alle Rosse und Wagen des Pharao und seine Reiter und das ganze Heer des Pharao, und holten sie ein, als [die Israeliten] am Meer bei Pi-Hahirot vor Baal-Zefon lagerten. ...
Und sie fürchteten sich sehr und schrien zu dem Herrn und sprachen zu Mose: „Waren nicht Gräber in Ägypten, dass du uns wegführen musstest, damit wir in der Wüste sterben? Warum hast du uns das angetan, dass du uns aus Ägypten geführt hast?“... Da sprach Mose zum Volk: „Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der Herr heute an euch tun wird. ... Der Herr wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.“
Und der Herr sprach zu Mose: „Was schreist du zu mir? Sage den Israeliten, dass sie weiterziehen. Du aber hebe deinen Stab auf und recke deine Hand über das Meer und teile es mitten durch, dass die Israeliten hineingehen, mitten durch das Meer auf dem Trockenen.“
Da erhob sich der Engel Gottes, der vor dem Heer Israels herzog, und stellte sich hinter sie. Und die Wolkensäule vor ihnen erhob sich und trat hinter sie und kam zwischen das Heer der Ägypter und das Heer Israels. ... Als nun Mose seine Hand über das Meer reckte, ließ es der Herr zurückweichen durch einen starken Ostwind die ganze Nacht und machte das Meer trocken, und die Wasser teilten sich.
Und die Israeliten gingen hinein mitten ins Meer auf dem Trockenen, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken.

Insbesondere die „Mauer zur Rechten und zur Linken“ sieht man in dem Fenster dargestellt. Das schwarze Punktgewimmel: Ist es das Volk der Israeliten? Oder das Heer des Pharaos, kurz bevor das „Wasser wiederkam und Wagen und Reiter bedeckte“?

Es ist eins der Fenster, die dem Betrachter ein wenig Vorstellungskraft abnötigen.

Von dem Exodus, der göttlichen Errettung des Volkes Israel, existieren natürlich unzählige Darstellungen, auch durchaus eindrucksvollere als in unserer Kirche:

Durchzug durchs Schilfmeer, Gemälde aus Paris

Dieses Gemälde etwa wirkt durch den Kontrast aus dunklem Meer und hellem Lichtschein, in den das durchziehende Volk getaucht ist, besonders kraftvoll. Es hängt in der Kathedrale Notre Dame in Paris.

Aber unabhängig davon, wie künstlerisch beeindruckend gestaltet, die Botschaft bleibt gleich:

So auswegslos eine Situation scheinen mag, wundersame Lösungen sind möglich. Gott ist mit uns.

Im Judentum hat der Exodus bis heute ein besonderes Gewicht. Kein Ereignis im Festkalender, an dem in der Liturgie nicht wiederholt wird: „Secher lijetziat Mitzrajim“ – „Gedenke der Tage deines Auszugs aus Ägypten!“

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