Reinbek, 3. Juni 1901(KV.)
Gegenwärtig: Pastor Fries, die Herren Kirchenältesten Behn, Dr. med. Danielsen, Duttenhofer, Mann.
Die Einladungen sind rechtzeitig ergangen.
Die Gegenstände der Beratung wurden vorher angezeigt.
Der Vorsitzende spricht das Eingangsgebet.
Der Antrag Heecks-Goldenbaum auf Änderung des Verteilungsmodus der Kirchenabgaben - (stärkere Heranziehung der Grundsteuer und Heranziehung der Hamburger, welche das ganze Jahr hier wohnen) - soll bis zum Herbst zurückgestellt werden, da er für den Fall der Annahme für dieses Rechnungsjahr nicht mehr zur praktischen Durchführung und Anwendung kommen kann.
Da sich unter den Bewerbern für die Kirchendienerstelle keiner auf das tägliche Ziehen der Betglocke einlassen will, soll ein mechanisches Betglockenwerk angeschafft und neben der Turmuhr aufgestellt werden.
Die Offerte des Herrn Weule - Bockenem - lautend auf 393 M wird angenommen.
3. Da sämtliche Bewerber um die Kirchendienerstelle das Jahresgehalt von 300 M für zu gering erklärt haben, da also, falls einem der Bewerber die Stelle übertragen würde, zu erwarten steht, daß derselbe sehr bald den Antrag auf Erhöhung seines Gehalts stellen würde, wird beschlossen, das Gehalt auf jährlich 400 M von vornherein zu erhöhen und die Stelle nochmals auszuschreiben.
5. Der Kirchenvorstand nimmt davon Kenntnis, daß Herr James Bahnsen unterm 11. Mai 1901 definitiv aus der evangelisch-lutherischen Landeskirche ausgetreten ist. Auf Grund des Gesetzes vom 14. Mai 1873,
§3, ist derselbe bis zum 31. December 1902 zu den Kirchenabgaben heranzuziehen. Der Kirchenrechnungsführer soll beauftragt werden, Herrn Bahnsen bei Übersendung des Kirchensteuerzettels Mitteilung zu machen.
g.u.
Pastor A. Fries, Danielsen
Zu 2: Der Weigerung der Kirchendiener-Bewerber ist es zu verdanken, dass es auch heute noch um 6 Uhr morgens und abends und um 12 Uhr mittags ein Gebetsläuten gibt. Das Betglockenwerk funktioniert seit 125 Jahren! Siehe hierzu auch das Video im Artikel unter Maria-Magdalenen-Kirche: "12 Uhr mittags".