Geistliches Wort

Juli/August 2019

 

Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden
nicht vergehen.   Mk 13, 31

Einmal werde ich ein Haus haben, einen Garten, meine Kinder spielen dort. Einmal werde ich den Nobelpreis bekommen, Bundeskanzler werden, die Welt revolutionieren. Einmal wird der Streit beigelegt sein, die Krankheit besiegt, die Schulden beglichen sein. Einmal „werden kleine schwarze Jungen und Mädchen mit kleinen weißen Jungen und Mädchen als Schwestern und Brüder Hände halten können“, so Martin Luther King in seiner berühmten Rede. Einmal. Ganz bestimmt. Die Zukunft kann kommen.
Zukunft entwerfen wir in Bildern. Wo Bilder nicht gelingen wollen, bleibt die Zukunft düster, verschwindet im Nebel, ängstigt. Die digitale Wende ist im Gange. Die biotechnische steht kurz bevor. Was da kommen wird, dafür fehlen die Bilder. Die finnische Künstlerin Emilia Tikka hat ein solches in einem Kunstprojekt entworfen. Ein Mann und eine Frau sitzen beim Essen gegenüber. Er ist in den besten Jahren, adrett, stylish gekleidet. Sie trägt ebenfalls eine feine Garderobe. Aber sie ist erkennbar sehr alt. Es ist ein Paar. Er hat vor Jahren eine Gen-Kur begonnen, die ihn jung hielt. Sie nicht. Das mögliche Ergebnis setzt die Künstlerin ins Bild.
Eine rein spekulative Geschichte.
Eine Geschichte von  dem, was möglich sein könnte. Aber auch von der Selbstbestimmung zweier Menschen – und der Liebe, die sie trotz unterschiedlicher Entscheidungen zueinander halten lässt. Man weiß nicht so recht, ob man sich freuen oder schütteln sollte. Aber das Bild hilft, der ferneren Zukunft zu begegnen.
Auch Gott hat Zukunftsbilder für uns. Sie sind weniger scharf wie ein Photo. Aber sie sind hoffnungsvoller und verheißungsfroher. Ein Bild, das mich sehr berührt, ist der Satz Jesu: Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen. Selbst wenn es ganz Dicke kommt, bleibt das Versprechen, dass seine Worte nicht vergehen werden.
Worte aber setzen Sender und Empfänger, Sprechende und Hörende voraus. Anders gesagt: sie setzen uns voraus. Jesu Versprechen ist deshalb kein kleines:  Selbst wenn das Weltall einmal nicht mehr ist – seine Worte bleiben. Er bleibt. Und wir mit ihm.

Einen zuversichtlichen Herbstanfang wünscht Ihnen

Ihr Pastor Meyer-Hansen

               

 

Bildnachweise: