Alles ist erlaubt – aber nicht alles nützt. Alles ist erlaubt – aber nicht alles baut auf. Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen.
Wir alle kennen die beiden Arten des Umgangs: Die Eine lebt nach dem Motto: „Es ist alles erlaubt, was nicht explizit verboten ist“, der Andere zieht es vor zu handeln nach der Weise: „Es ist alles verboten, was nicht explizit erlaubt ist“. Den Ersten erleben wir oft als Draufgänger, und bis in die Tagespolitik hinein merken wir, dass dieses Handeln bis an Grenzen des Anstandes geht. Und ausgerechnet in dieses Horn bläst Paulus, wenn er sagt: „Alles ist erlaubt.“ Steht das doch im krassen Gegensatz zu den biblischen Regeln, die wir oft fälschlich als Verbote bezeichnen: „Du sollst nicht…“ oder als Gebote, sprich Anweisungen, kennen: “Du sollst…“.
Auch Paulus hat nie bestritten, dass es Regeln für das Zusammenleben geben muss, und das hat sich seitdem wahrhaftig nicht geändert. Er sah aber die Gemeinde in Korinth eingezwängt in eine Regelwut, die jene Freiheit des Christenmenschen - wie Luther es später nannte und die Jesus gepredigt hatte -, wieder zunichte zu machen drohte.
Doch schnell schlug das Pendel um, und wieder musste Paulus gegensteuern: Freiheit nur für sich allein gibt es nicht, obwohl es Menschen gibt, die das für sich so sehen möchten. Wir leben immer, ob wir es wollen oder nicht, mit einem Gegenüber. Und in einer Gemeinschaft ist Freiheit so zu gestalten, dass meine Freiheit dem Anderen nicht schadet. Da werden Dinge, die erlaubt sind und die ich selbst guten Gewissens verantworten kann, bei anderen Menschen zum Stein des Anstoßes.
Alles ist erlaubt, was im Miteinander der Menschen jeden wertschätzt als ein Geschöpf Gottes.
In dieser Verantwortung zu leben lässt auch die biblischen Regeln zu Sätzen werden, die mit den Worten anfangen: „Du brauchst nicht…“ Das öffnet Leben in christlicher Freiheit.
Das wünsche ich uns allen von Herzen, Ihre Pastorin Margarethe Kohl